Warum ich mich so gerne zeige und ich so bin wie ich bin – Jetzt darf das Rumgezicke beginnen!

Mir langts! Dieses ständige Rumgezicke von irgendwelchen Hardcore-Feministinnen geht mir langsam echt auf die, nicht vorhandenen, Eierstöcke!

Ständig werde ich schärfstens kritisiert – nein sogar öffentlich aufs übelste beleidigt und als notgeiler Transvestit hingestellt – nur weil ich etwas freizügiger bin, als Andere und mich, bzw. meine äußeren Geschlechtsteile gerne in der Öffentlichkeit zeige!

Ständig wird jeder Post auf Facebook, jeder Medienbeitrag von oder über mich, auseinandergenommen und jede Formulierung, jedes Wort einzeln auf die Goldwaage gelegt. Kaum poste ich irgend etwas, stürzt sich eine Meute eben dieser Feministinnen auf meine Beiträge und reißt sie auseinander.

Ich habs satt!

Ich möchte hier jetzt ein für alle Mal erklären, was Sache ist, warum ich so bin wie ich bin, warum ich so freizügig und warum ich so stolz auf mich, auf meinen Körper und meine Geschlechtsteile bin.

1. Warum bin ich so freizügig? Bin ich ein notgeiler Transvestit?

Es ist eigentlich ganz einfach und ich verstehe nicht, wieso das keiner versteht:

Ich habe bereits in der 1. Klasse in der Grundschule für mich gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmte. Ich hatte diesen Zipfel zwischen den Beinen mit dem ich nichts anfangen konnte, der irgendwie nicht zu mir gehörte. Etwas später wusste ich dann, dass dieser Zipfel zu einem Jungen gehörte. Aber halt…? Ich war ein Mädchen! Ich wusste, das ich ein Mädchen war. Ich wusste, dass ich eigentlich anders aussehen musste!

So ging es weiter. Überall, wo ich hinkam, wurde ich falsch einkategorisiert. Egal ob es nun die Toiletten oder die Umkleiden in der Schule, bzw im Schulsport waren, oder ob ich auf dem Pausenhof mit den anderen Mädchen spielen wollte. Überall wurde mir gesagt, das ich falsch sei und dort nicht hin gehörte.

Später fing dann das Mobbing an. Ich wurde gepackt und “durfte” einen Baum ficken. Ich wurde von den Jungs verprügelt, weil ich ihnen zu schwulihaft war, zu weibisch. Meine Noten gingen in den Keller, ich wurde extrem eingeschüchtert, extremst introvertiert, extrem ängstlich und vorsichtig alles und Jedem gegenüber und ich hatte absolut gar kein Selbstvertrauen mehr.

Ich wurde von einem Psychologen zum Nächsten geschickt und keiner konnte mir damals helfen. Ich konnte ja auch nicht sagen, was Sache war. Später, mit 15 oder 16, fing ich an zu resignieren, weil ich keine Lösung dafür angeboten bekam. Ich selbst wusste ja auch nicht, was wirklich mit mir los war. Also fing ich an, den Kerl den alle Andere in mir sahen, auch zu leben. Ich wollte diese Maske aufrecht erhalten, diese Verkleidung an behalten, weil ich dann plötzlich akzeptiert wurde. Weil dann plötzlich dieses Mobbing, diese Falschheit aufhörten.

Mit 18 stürzte ich komplett ab, lebte jahrelang auf der Straße, konsumierte sämtliche Drogen, außer Heroin und – Ja, ich fing an, mich zu prostituieren. Ich war jahrelang Stricher und liess alles und jeden mit mir machen, was sie wollten. Mit 25 wurde ich dann zwei Mal innerhalb eines halben Jahres von drei Kerlen gleichzeitig aufs brutalste und schmerzhafteste vergewaltigt.

Jetzt endlich – ich werde nun 47 Jahre jung – bin ich die Frau, die ich schon immer war und habe endlich dadurch das hinter mir gelassen, weshalb ich solche massiven Probleme hatte.

Meine Transition, also meine Angleichung in den weiblichen Körper verlief bisher so fantastisch gut, dass ich mich in mich selbst verliebt habe. Ja, ich liebe mich selbst. Ich bin extrem stolz auf mich, auf das, was ich geschafft habe und darauf, wie ich inzwischen aussehe. Ich bin extrem stolz auf die richtigen äußeren Geschlechtsmerkmale, die ich nun endlich habe! Ich bin extrem stolz darauf, endlich die Frau sein zu dürfen, die ich eigentlich immer war!

Und das möchte ich auch zeigen, verdammt noch mal!!!

Natürlich definiere ich mein Frau-Sein nicht an meiner Vagina oder meinen Brüsten! Trotzdem habe ich diese, für mich richtigen und stimmigen Körpermerkmale nun endlich und ich bin wahnsinnig stolz darauf! Kann das wirklich niemand nachvollziehen????

Zudem bin ich – vermutlich durch meine Erlebnisse in der Vergangenheit – extrem exhibitionistisch und nudistisch veranlagt geworden. Das war schon vor meiner Transition so und jetzt, nachdem ich endlich die für mich richtigen, äußeren Genitalien bekommen habe, ist es – durch den Stolz und das Glück – noch viel schlimmer geworden. Ja, ich bin seit dem regelrecht nymphoman geworden!

Es gibt (Cis) Frauen, die zeigen sich genau so oder noch mehr! Es gibt (Cis) Frauen, die sich prostituieren! Es gibt (Cis) Frauen, die im Playboy sich vor 100 Millionen Menschen nackig machen! Es gibt (Cis) Frauen, die in Pornofilmen sich von unten bis zu den Mandeln hoch schauen lassen!

Da kräht kein Hahn nach! Nein, eigentlich ist das für eine Frau schon fast normal!

Aber wenn sich eine Frau mit transsexueller Vergangenheit so freizügig präsentiert, dann steigen alle auf die Barrikaden, zweifeln meine Transsexualität an oder beschimpfen mich als notgeilen, männlichen Transvestiten! Ihr habt echt den Knall nicht gehört!

Ich BIN eine Frau!

Also zeige ich mich auch, wie ich das für MICH als richtig empfinde!

Ich zeige mich WIE ich will, WANN ich will und WO ich will!!! Und solange es nicht gegen geltendes Recht verstößt, werde ich das auch weiterhintun!!!

Aus dem ganz gleichen Grund, weil ich eben so stolz auf mich und meinen Weg bin, bezeichne ich mich auch gerne als Transfrau oder Frau mit transsexueller Vergangenheit. Ich bin sehr stolz auf meine Transsexualität!

Wenn Euch das nicht passt, Ihr neidisch auf mich und mein Aussehen, meinen Körper seid und nicht damit zurecht kommt, das ich mich so freizügig zeige, dann geht doch bitte runter in den Keller heulen und dann scrollt weiter und lasst mich in Ruhe. Danke!

Achja, was den Vorwurf einer bestimmten Person angeht, dass es skandalös und, ja, sogar gefährlich sei, dass ich andere Menschen mit transsexuellem Hintergrund berate und Vorträge halte zu den Themen geschlechtliche und sexuelle Vielfalt, etc:

Was ich privat tue oder lasse, hat niemanden etwas anzugehen!

Ich sitze ganz sicher nicht nackt vor meinen Zuhörern oder der hilfesuchenden Person und halte ihnen mein Geschlechtsteil vor die Nase!!!

Noch etwas: Ich spreche definitiv nicht für alle Menschen mit transsexuellem Hintergrund! Und das mache ich auch immer wieder klar! Ich spreche immer nur von mir selbst, von meinen Erfahrungen und meinen Gefühlen! Jeder Mensch ist anders!

So… JETZT darf das Rumgezicke beginnen!

Feuer frei!

 

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Über Christin Löhner 107 Artikel
Christin Löhner ist selbst eine Frau mit transsexueller Vergangenheit. Vergangenheit deshalb, weil sie sämtliche Operationen hinter sich hat und ganz im weiblichen Körper angekommen ist. Sie ist die Gründerin und Leiterin der einzigen Selbsthilfeinitiative zum Thema Transsexualität im Bereich Hegau, Schwarzwald-Baar-Kreis, Allgäu und Bodenseekreis, der Trans* SHG Hegau. Sie ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V. und begleitet und berät weit über hundert transsexuelle Menschen Deutschland weit mit Tipps und Infos zum Passing, zur Rechtslage, zum Transsexuellengesetz, den Operationen, sowie Mode- und Stilberatung und Makeup-Workshops. Durch ihre Arbeit und ihr soziales Engagement, ihre Vorträge und Seminare zum Thema geschlechtliche Vielfalt, Transsexualität, Transphobie, Toleranz, Mobbing und Diskriminierung an Unis, Schulen und sozialen Einrichtungen, versucht sie sich für ihre Mitbetroffenen einzusetzen und stemmt sich vehement gegen Ungerechtigkeit, Mobbing und Diskriminierung. Auch mit Dokumentationen im Fernsehen, Zeitungen und Radio setzt sie sich immer wieder für die Rechte von transsexuellen Menschen ein und klärt die Öffentlichkeit über dieses Thema auf. Bloggerin, Webentwicklerin, Linux- und Serveradmin, Coffee Junkie, Trans*Beraterin, Trans*Begleiterin, Transgender, Transfrau, MzF

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