Meine Autobiographie – Vorschau in Kapitel 8 – Wieder in Ulm, Wiedersehen mit André, Totalabsturz

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In der Vorschau von Kapitel 10 (siehe letzter Beitrag), erzählte ich Dir ja bereits von André, wie wir uns kennengelernt hatten. Leider musste ich nun die ganzen Kapitel etwas aufräumen und “gerade biegen”, da es einige Kapitel gab, die nur zwei Seiten lang waren und andere, die 10 oder mehr Seiten lang waren.

Das hat nun zur Folge, dass die Geschichte aus Kapitel 10, also das Kennenlernen von André, jetzt in Kapitel 7 zu finden ist.

Und hier gibt es nun einen kleinen Einblick in das darauf folgende Kapitel Nr. 8:


Kapitel 8 – Silke, die Pet Shop Boys und der totale Absturz

Diese Enttäuschung mit André hing mir sehr lange und sehr schwer nach und ich konnte einfach nicht in Ulm bleiben. Und so nahm ich meinen Rucksack, setzte mich bei einem Kumpel den ich damals kennen gelernt hatte, auf den Sozius seiner Suzuki Katana 1100 und ließ mich von ihm mit teilweise weit über 250 km/h nach Konstanz fahren.

Es mag egoistisch klingen, doch während dieser Fahrt dachte ich oft darüber nach wie es wäre, einfach irgendwo mit 250 Sachen gegen zu fahren.

Ich war auf jeden Fall schon 19 als ich in Konstanz ankam. Natürlich saß ich auch dort erst einmal auf der Straße und musste meinen Platz erst finden. Ich lernte neue Menschen kennen, die wie ich auf der Straße saßen und auch hier bestätigte sich wieder einmal, das diese Leute die echtesten Freunde waren.

Es dauerte auch nur ein paar Tage, bis ich eine kleine Kneipe fand, in der ich abhängen konnte. In dieser Kneipe lernte ich dann Silke kennen.

Silke war eine wunderschöne, junge Frau. Wenn ich mich richtig erinnere, war sie zwei Jahre älter als ich. Sie war lustig und man konnte sich gut mit ihr unterhalten. Wie zuvor in Ulm mit André, verbrachte ich viel Zeit mit ihr in dieser Bar in Konstanz.

Nun, ich weiß wirklich nicht, was mich damals geritten hat und wie es schlussendlich dazu kam. Aber Silke und ich verliebten uns sehr schnell ineinander und nur ein zwei oder drei Monate nachdem ich in Konstanz angekommen war, heirateten Silke und ich standesamtlich in Konstanz und ich nahm den Nachnamen von Silke an.

Ich zog dann auch zu Silke auf die Insel Reichenau und nur wenige Wochen später zogen wir gemeinsam um nach Kehl am Rhein. Von Kehl waren es nur ein paar wenige Gehminuten über den Rhein und damit über die französische Grenze nach Straßbourg, wo wir recht oft waren.

Sehr schnell stellte sich aber dann leider auch heraus, dass die Hochzeit mit Silke wohl viel zu voreilig war, denn sie schwärmte mir den ganzen Tag nur von Neil Tennant, dem Sänger der Pet Shop Boys vor.

Ja, Du hast richtig gelesen. Silke war unsterblich verliebt in Neil Tennant und ich merkte schnell, das dies tatsächlich nicht einfach nur Schwärmerei war, sondern echte, hingebungsvolle Liebe. Viel mehr Liebe als zu mir.

Natürlich war diese Liebe zu diesem Popstar völlig unrealistisch und kindisch und vermutlich wusste Silke das damals auch. Doch trotzdem konnte sie mich nicht lieben, da ihr Herz schon vergeben war.

Nicht einmal vier Monate nach unserer Hochzeit trennten wir uns wieder. Und war die Trennung von André damals in Ulm schon echt hart für mich, so war diese Trennung von Silke der Grund, warum ich in ein bodenloses Loch fiel.

Ich ließ alles stehen und liegen, was ich im letzten halben Jahr mit Silke zusammen aufgebaut hatte und haute ab.

Ich war immer noch 19 Jahre alt, als ich dann von Kehl am Rhein zurück nach Ulm trampte, alles zurück lassend und völlig mit meinen Depressionen und meiner damaligen Todessehnsucht alleine gelassen.

In Ulm hatte ich bisher die besten und schönsten Erfahrungen gemacht und so war es kein großes Wunder, das ich dort hin zurück wollte.

Doch dieses Mal sollte alles anders werden…

Wieder in Ulm war das erste was ich tat, die Kneipe der griechischen Familie aufzusuchen und meinen Frust, meine Depressionen in „Draculas Blood“ zu ertränken.

Natürlich saß ich wieder auf der Straße und ich fand schnell Anschluss, da ich ja die meisten Leute dort bereits kannte und sie mich auch wieder erkannten und wieder aufnahmen in ihre „Gemeinschaft“.

Doch diesmal – und das merkten auch die Freunde von der „Platte“ – war ich anders. Ich war ganz unten angekommen. War ich ein knappes Jahr zuvor noch voller Tatendrang und voller Hoffnung auf eine baldige Wohnung und eine Arbeit, so war ich dieses Mal völlig antriebslos, deprimiert und resigniert. Mir war alles egal geworden. Ich war mir selbst egal geworden.

Irgendwann nahm ich dann den ersten Zug von einem Joint….

[….. größeren Text-Ausschnitt zwecks Vorschau entfernt ….]

Anfangs arbeitete ich ganz nur für mich selbst und verdiente richtig gut. Doch als ich eines Nachts am Hauptbahnhof im Raucherbereich der Wartehalle, wo ich ab und zu die Nächte verbrachte, überfallen und verprügelt wurde – mir wurde dabei das Nasenbein gebrochen – suchte ich, mit Hilfe einer gut befreundeten „Kollegin“, Kontakt zu ihrem Zuhälter und ließ mich von da an beschützen.

Natürlich musste ich für den Schutz entsprechend einiges von meinem Geld, das ich so verdiente, abdrücken und das was übrig blieb, reichte gerade noch dafür, nicht betteln gehen zu müssen.

Ich lernte schnell das, je mehr Kunden ich hatte, ich auch mehr verdiente und mein Zuhälter dann auch zufriedener mit mir war. War er zufrieden mit mir, bekam ich meinen Schutz und einen Schlafplatz.

Eines Tages, ich war mal wieder in der Kneipe meiner griechischen Freunde, kam André zur Tür herein und setzte sich an einen der hinteren Tische. Ich weiß nicht, ob er mich gesehen oder erkannt hatte, er ließ sich zumindest nichts anmerken.

Als er saß und Stavros seine Bestellung aufgab, fiel sein Blick auf mich. Ich saß an der Bar, eigentlich mit dem Rücken zu ihm, hatte mich aber auf dem Barhocker leicht zu ihm gedreht, weil ich zum Einen völlig überrascht war, ihn nach einem dreiviertel Jahr plötzlich wieder zu sehen, zum Anderen aber natürlich nach wie vor auch sauer auf ihn war und sehen wollte, wie er reagiert, wenn er mich sah.

Und dann war da auch trotz allem immer noch – oder wieder? – dieses Gefühl. Dieses Gefühl von Sehnsucht und dieser innige Wunsch, in seinen Armen zu liegen und von ihm geküsst und berührt zu werden.

André sah mich an und ich sah deutlich, wie sich sein Gesicht veränderte. Hatte er vorher so einen leicht abwesenden, melancholischen oder traurigen Ausdruck, so erhellte sich sein Gesicht schlagartig und ein etwas unsicheres, leichtes Lächeln entstand.

Ich wurde selbst unsicher, denn ich hatte gedacht, das er glücklich mit seiner Tussi sei und das ich ihn nie wieder sehen würde. Und nun saß er dort an diesem Tisch hinter mir und es war beinahe so, wie vor knapp einem Jahr als er das erste Mal in die Kneipe kam, bevor wir damals zusammen gekommen waren.

Ich drehte mich auf dem Barhocker ganz herum, sah ihn direkt an und fragte: „Hey, wie geht es dir?“

Er schien ein kleines bisschen zusammen zu zucken, wie als hätte er nicht erwartet, von mir angesprochen zu werden: „Joa, geht so und Dir?“

Ich zuckte die Schultern und sagte nur: „naja, wie immer.“

Daraufhin machte er eine einladende Geste und fragte mich, ob ich mich nicht zu ihm setzen wolle. Wieder zuckte ich nur die Schultern, stieg ohne ein Wort von meinem Barhocker und setzte mich auf den Stuhl neben ihm.

André schien mich zu beobachten oder zumindest genauer zu betrachten, denn er sagte, als ich dann saß und mein Colaweizen vor mir stehen hatte: „Du siehst müde aus, geschafft und traurig, was ist los und wo warst Du die ganze Zeit?“

ich sah ihn traurig an und irgendwie wurde mir in diesem Moment bewusst, das ich damals als ich ihn mit dieser Frau erwischt hatte, einfach gegangen war, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Er hatte mich seit dem nicht mehr gesehen, bis heute. Scheinbar wusste er gar nicht, wieso ich plötzlich verschwunden war?

Ich begann ihm zu erzählen, wie ich ihn mit dieser Frau erwischt hatte und das ich deshalb einfach abgehauen war. Ich erzählte ihm von Konstanz, von Silke, der Hochzeit und meiner Rückkehr nach Ulm und was ich bisher hier so erlebt hatte. Nur die Sache mit der Prostitution verschwieg ich.

Sein Gesicht wurde während meiner Erzählung immer länger und trauriger und er sagte keinen Ton, bis ich fertig war.

Als ich endete und ihn darauf hin ansah, sah er zunächst mit gesenktem Kopf auf die Tischplatte vor ihm, dann hob er den Kopf und schaute mir direkt in die Augen, legte seine Hand auf meinen Arm und sagte leise: „Ich schulde Dir eine Erklärung, denn es gibt da etwas, was ich Dir damals noch nicht erzählt habe, aus Angst Dich gleich wieder zu verschrecken und zu verlieren.“

[…..]

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