Alles über das weibliche Sprechen – Logopädie für Transfrauen – Es kommt nicht auf die Tonhöhe an!

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Sie ist unbestreitbar wohl einer der wichtigsten Punkte für ein gutes Passing – Die Stimme. Aber was macht eine schöne, weibliche Stimme aus? Woran liegt es, das wir eine Stimme als männlich oder als weiblich klassifizieren? So viel sei vorab gesagt: Die Tonhöhe ist nur der kleinste Teil!

Ich möchte heute einmal darüber sprechen, was wir Transfrauen tun können, um eine weiblichere Stimme, bzw. eine weiblichere Art zu Sprechen, auszubilden. Ich gebe Dir ein paar Tipps und auch Tools an die Hand, um Deine Stimme und Deine Sprechweise in die richtige Richtung hin zu trainieren.

Bitte denke daran: Ich bin weder eine ausgebildete Logopädin, noch habe ich irgendwelche Erfahrungen im Logopädischen Bereich. Ich spreche hier nur von dem, was ich bisher selbst für Erfahrungen gemacht habe und ich erhebe keinerlei Anspruch darauf, dass dies richtig oder der Stein der Weisen ist. Allerdings habe ich mich sehr ausführlich selbst informiert und weitergebildet, da ich selbst eine Frau mit transsexueller Vergangenheit bin und ich ebenfalls mein Passing mit einer trainierten Stimme, Stimmlage und Sprechweise verbessern muss.

Nun, woraus besteht eine Stimme und was macht eine Stimme tatsächlich aus?

Tonhöhe, Frequenz, Pitch

Viele Menschen denken, die weibliche Stimme sei einfach nur etwas höher als die männliche Stimme und ja, in der Regel stimmt das auch. Allerdings überschneiden sich der männliche und der weibliche Stimmbereich in einem nicht unbeträchtlichen Frequenzbereich, weshalb es durchaus Männer mit einer recht hohen, im weiblichen Frequenzbereich liegenden Stimme und Frauen mit einer tiefen, im männlichen Frequenzbereich liegenden Stimme gibt. Und trotzdem erkennt man meistens ganz eindeutig und auch ganz automatisch, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Dies kann also nicht der ausschlaggebende Grund sein, das eine Stimme weiblich oder männlich klingt.

Solange man sich in dem sich überschneidenden Teil des Frequenzbereichs bewegt, sollte die Tonhöhe, bzw. die Frequenz der Stimme kein Grund mehr sein, warum man Dich als weiblich oder männlich einstuft.

Übrigens liegt der sich überschneidende Frequenzbereich ungefähr zwischen 170 Herz und 200 Herz.

Um alleine nur die Tonhöhe zu messen und auch ein wenig zu trainieren, dafür gibt es diverse Apps. Eine davon, die ich sehr empfehlen kann, ist die App “Stimmanalyse”.

Mit dieser App kann man auch den Fortschritt eines logopädischen Trainings sehr gut über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten, da sich die ausgewerteten Frequenzanalysen Deiner aufgenommenen Stimme speichern lassen und vergleichen lassen.

Neben der Tonhöhe Deiner Stimme gibt es aber noch einige weitere, viel wichtigere Kriterien, warum man sie als männlich oder weiblich klassifiziert:

Der weibliche Singsang

Der sogenannte weibliche Singsang setzt sich aus den folgenden zwei Faktoren zusammen:

Die richtige Balance zwischen den Konsonanten und den Vokalen

Die männliche Art zu sprechen zeichnet sich oft dadurch aus, das Vokale abgehackter und Konsonanten deutlicher gesprochen werden, die männliche Stimme “zischt”.

Frauen hingegen sprechen die Vokale (a, e, i, o, u) deutlicher aus und vernachlässigen dabei eher die zischenden Konsonanten, wodurch eine deutlich melodischere Art zu Sprechen entsteht.

Die richtige Betonung von Satzteilen

Ein ganz signifikanter Unterschied zwischen einer männlichen und einer weiblichen Stimme ist vor allem auch die Betonung. So werden Männer meistens lauter und leiser um etwas zu betonen oder werden zum Satzende häufig tiefer um den Abschluß des Satzes zu kennzeichnen und keine Widerrede zu dulden, dies ist ein Überbleisel aus frühester Zeit.

Frauen hingegen intonieren ihre Stimme eher über die Tonhöhe, werden also höher bei Erregung oder wenn sie etwas betonen möchten und tiefer, wenn sie sich wohl fühlen oder etwas dezenter ausdrücken möchten. Auch wird die weibliche Stimme zum Satzende in der Tonhöhe eher gleichbleibend oder gar höher, um die*den Gegenüber dazu zu animieren, etwas zu erwidern und sich am Gespräch zu beteiligen.

Die Resonanz, das Vibrieren der Stimme

Die Anatomie des gesamten Sprechapparates unterscheidet sich zwischen Männern und Frauen. Dies sorgt dafür, das Männer die Stimme im Brustkorb bilden und so eine brummende Vibration in der Stimme erzeugen.

Frauen hingegen drücken die Stimme nicht hinunter in den Brustkorb sondern behalten die Stimme im Kopf, weshalb ihnen die Resonanz fehlt.

Die Geschwindigkeit des Sprechens

Es ist kein Geheimnis, das wir Frauen Multitaskingfähig sind und Männer bestenfalls eine Sache nach der Anderen tun oder denken können. *grinst frech* 

Nein, das ist natürlich keine Tatsache, sondern auch wieder nur ein Klischee. Trotzdem entspricht es der Tatsache, das Frauen in der Regel schneller, flüssiger und zusammenhängender sprechen, weil sie während des Sprechens sich schon die nächsten Worte zurecht legen. Männer sprechen etwas abgehackter, langsamer und machen größere Denkpausen, bevor sie weiter sprechen.

Woran das liegt? Dies zu beurteilen überlasse ich jedem selbst.

Das Entsprechen eines Rollenbildes

Auch wenn es die Eine oder der Andere jetzt nicht gerne lesen mag, so spielt auch das soziale Rollenbild, sogenannte Klischees, durchaus eine Rolle bei der Stimmbildung.

Frauen sprechen in der Regel weicher, gesetzter und bedienen sich meistens etwas weicheren Worten und Formulierungen. Auch sind echte Klischees oft Grund für die Unterbrechung eines Gesprächs oder für den Wehsel eines Themas. So wäre ein schreiendes Baby oder ein kleiner Hund für eine Frau eher Anlass die Stimme in der Höhe zu variieren oder gar sich zu unterbrechen als für einen Mann. Während das Knattern eines Motorrads oder eines Presslufthammers eher Anlass für einen Mann wäre, stimmlich darauf zu reagieren oder sich zu unterbrechen.


Dies alles sind Punkte, die eine Stimme ausmachen und die entscheidend dazu beitragen, ob eine Stimme als männlich oder als weiblich eingestuft wird.

Was können wir aber nun tun, um unsere Stimme dem Geschlecht anzupassen, als das wir uns identifizieren? Nun, die Kerle unter uns, also die Trans* Männer (Frau zu Mann Transgender), haben es da etwas leichter als wir Frauen:

Der sogenannte Stimmbruch der männlichen Pubertät sorgt dafür, das sich der Stimmapparat dahingehend verändert, das die Stimme automatisch tiefer wird und im Brustkorb erzeugt wird, also eine Resonanz erzeugt wird.

Dies ist das Problem von uns Trans* Frauen, da unsere erste, männliche Pubertät dafür gesorgt hat, das wir in eben diesen Stimmbruch geraten sind.

Die weibliche Pubertät hat keinen Stimmbruch. Natürlich verändert sich auch in der weiblichen Puberttät die Stimme ein wenig, sie wird melodischer, voller und weicher. Aber die weibliche Pubertät sorgt nicht für eine Veränderung der Resonanz oder der Tonhöhe der Stimme.

Wenn nun ein Trans* Mann, also ein Frau zu Mann Transgender den Östrogenblocker und das Testosteron zugeführt bekommt, so kommt dieser Trans* Mann in eine zweite, männliche Pubertät und damit wird auch der männliche Stimmbruch ausgelöst. Ein Trans* Mann bekommt also ganz von alleine, durch die Hormone, eine volle, tiefe, brummige, resonante und männliche Stimme.

Eine Trans* Frau hingegen bekommt durch die Hormone und die damit verbundene weibliche Pubertät keine veränderte, höhere oder weiblichere Stimme. Hier können nur zwei Dinge helfen:

Die Logopädie – Das Trainieren der Stimme

Eine Möglichkeit ist natürlich die Logopädie. Logopädie ist die Bezeichnung für Stimmtraining.

Dabei wird mit verschiedensten Methoden versucht, eine möglichst authentische, weibliche Stimme zu trainieren. Eine dieser Methoden, die für das Training von transsexuellen Frauen weit verbreitet ist, ist die LaKru® Methode.

Die LaKru®-Stimmtransition basiert auf der Idee, dass man die männliche Anatomie nicht mittels konservativer Stimmtherapie verändern kann, aber die muskuläre und funktionelle Angleichung an die weiblichen Muster durchaus durch ein gezieltes, intensives und professionell angeleitetes Stimmtraining zu realisieren ist. Das LaKru®-Training basiert auf Methoden und Ideen aus der Gesangspädagogik und der Stimmbildung von Schauspielern und Sprechern. Sie ist damit nicht mit einer herkömmlichen Stimmtherapie zu vergleichen. Denn die Methoden der Stimmtherapie haben eine andere Zielsetzung, nämlich das Heilen einer erkrankten Stimme. Die Stimmtransition hat zum Ziel eine gesunde Stimme so zu trainieren, dass sie einen anderen Klang erzeugen kann: nämlich einen Stimmklang, der durch Dritte als weiblich wahrgenommen wird.

Die LaKru®-Stimmtransition ist von der Intensität vergleichbar mit dem Erlernen einer neuen Sportart oder einer neuen Sprache. Sie ist sehr strukturiert aufgebaut und beinhaltet Übungen zum isolierten Ansteuern der für die Klangveränderung nötigen Muskulatur. Auch Unterricht in Anatomie und Physiologie der Stimme und der zu erarbeitenden Stimmtechnik ist Teil des Trainings. Denn die Klientin soll am Ende der Zusammenarbeit ein Stimmprofi sein, der auch ohne Anleitung des Trainers die Stimme in unterschiedlichen emotionalen, sozialen und räumlichen Situationen so steuern kann wie es ihr beliebt. Die Kombination aus regelmäßigem und präzisem Üben, die intensive Auseinandersetzung mit der neu gelebten Geschlechtsidentität sowie die Gewöhnung an die neue Stimmidentität bringen den Erfolg. Grenzen werden erkannt, erreicht und verschoben. Stimmliche Möglichkeiten werden entdeckt und erweitert.

Die Stimmband-Operation

„Minimal-invasive Feminisierungs-Laryngoplastik“, „Endoskopische Glottoplastik“, „Lasergestütztes Vernähen der Stimmbänder“, „Rückverlagerung des Commissura anterior“, „Wendler-Glottoplastik“. Dies sind verschiedene Begriffe für das Kürzen der Stimmlippen in einem endoskopischen, minimal-invasiven, lasergestützten Verfahren. Die Begriffe sind anschaulich und ihr Name drückt prinzipiell ihren Zweck aus, nämlich die Verkürzung der Länge der Stimmlippen, um die Tonhöhe der Stimme anzuheben. Der Laser unterstützt bei der Kontrolle des Grads der Vernähung, ebenso wie bei der Kontrolle des Ausmaßes der Rückverlagerung des Commissura anterior und der endgültigen Länge der Stimmlippen.

All diese Operations-Techniken können allerdings nicht die Art und Weise des Sprechens, den weiblichen Singsang oder das Reagieren auf Situationen oder Klischees (siehe oben) ändern.

Hierzu wird auch bei einer Stimmband-Operation zusätzlich immer auch eine Logopädische Behandlung notwendig.

 

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4 Kommentare

  1. Multitasking ist nachweislich lt. Hirnforschung ein Mythos und schadet dem Gehirn, von der Qualität der Einzelergebnisse ganz zu schweigen.

  2. Aber warum vergibt man an andere Ratschläge und Anleitungen für eine Sache die man ganz offensichtlich und sogar nach eigenen Angaben selbst nicht richtig beherrscht ? Kann ich nicht ganz nachvollziehen. Das ist für mich vergleichbar als wollte ich nach der Lektüre von mehreren Kochbüchern anderen das Kochen beibringen.

    1. Nun, gibst du deinem kleinen Bruder den Ratschlag auf eine Schnittwunde ein Pflaster drauf zu tun, obwohl du keine fachärztliche Medizinerin bist???? Ja??

      Siehste. Aus dem Grund. Weil ich es kann und es anderen hilft, auch wenn ich keine logopädische Therapie mit der*dem Leser*in machen darf.

  3. Wenn ich ein Pflaster habe dann mach ich es darauf ohne ihm den Ratschlag zu geben ;).
    Wenn nicht dann leiste ich erste Hilfe mit einem Taschentuch und gehe dann ein Pflaster kaufen 🙂

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