Die Zukunft – Wie geht es weiter – Was kommt noch – Resümee – Timeline

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Hallo liebe*r Besucher*in,

seit einiger Zeit denke ich darüber nach, was mir die Zukunft wohl noch so bringen mag und wie es weiter gehen wird mit mir und diesem Blog. Ich werde einmal versuchen hier dazu meine Gedanken nieder zu schreiben.

Es gibt natürlich ganz verschiedene Optionen, die ich mir so überlegt habe und in Betracht ziehe.

Viele Trans* Menschen die mit ihrem Weg fertig sind und ganz in ihrem Körper angekommen sind, möchten danach nichts mehr von ihrem Trans* Sein wissen und nur noch “stealth” leben, also völlig unerkannt und unsichtbar, ohne jeglichen weiteren Bezug zu ihrem “ehemaligen Problem”. Das ist ein Wunsch, den ich sehr, sehr gut nachvollziehen kann und über den ich auch sehr intensiv nachdenke. Denn inzwischen ist es tatsächlich so, wenn ich in der Stadt unterwegs bin oder in einer Bar sitze, das ich voll und ganz als Frau erkannt werde und nicht mehr auf irgendetwas angesprochen werde, was irgendwie unstimmig wäre. Ganz im Gegenteil, man flirtet mit mir, unterhält sich mit mir und man behandelt mich, als wäre ich schon immer die Frau gewesen, die ich heute bin.

In meinen Alltag kehrt langsam eine gewisse Normalität ein, die sehr angenehm und wohltuend ist. Zumindest so lange man mich nicht als eine Person aus dem Fernsehen, Zeitungen oder Radio erkennt. Wobei das ja sogar Spaß macht und stolz macht.

Gestern, zum Beispiel, waren Michelle und ich in der Apotheke um unsere Rezepte einzulösen. Da ja Michelle seit über neun Jahren Herztransplantiert ist, hat sie einen ganzen Stapel an Rezepten, was natürlich auch einige Zeit kostete um die Medikamente alle dann von der Apothekerin zusammen zu suchen. Während sie die Medikamente zusammen stellte, kam der Besitzer der Apotheke herein, sah mich an, kam zu uns und sagte dann, er habe uns in der Zeitung gesehen und er fände es toll und richtig, was wir so machten.

Am Sonntag hatten wir mal wieder Dienst beim Österreichischen Wachdienst als Bundesliga-Ordner bei einem österreichischen Fußballspiel in Altach. Der Chef des Stadions sah uns, sprach uns an, er habe uns im Fernsehen gesehen und das sie jetzt endlich auch mal ein paar Promis in der Arena hätten. Er fände es toll, was wir so machten.

Andererseits ist es mir natürlich auch wichtig, mich auch weiterhin für die Rechte aller Trans* Menschen einzusetzen und vor allem auch den Menschen in meiner näheren Region, zum Beispiel mit meiner Selbsthilfegruppe oder meinen beratenden Tätigkeiten, beizustehen und zur Seite zu stehen. Als Krebs-Frau mit einem riesigen Herzen und einem noch viel größeren Helfersyndrom, ist es mir eine wahre Freude, anderen helfen zu können.

Wenn ich mir andere Selbsthilfegruppen so ansehe die irgendwann vor drei, vier oder fünf Jahren mal gegründet worden sind, finde ich es sehr schade und traurig, wenn diese Selbsthilfegruppen wieder in der Versenkung verschwinden, weil eben diese Gründer*innen oder Leiter*innen dann auf einmal ihre Arbeit niederlegen, sich zurückziehen und nur noch stealth leben wollen und mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben wollen, sobald sie mit ihrem Weg, mit ihrer Transition fertig sind.

Ich begleite nun inzwischen gut an die Hundert Trans* Menschen Deutschland weit auf ihrem Weg mit Tipps und Tricks, Hilfe zu Therapeuten oder Endokrinologen, Hilfe bei dem richtigen Interpretieren der Hormonwerte, mit Mode- und Stilberatung und mit Schmink und Makeuptipps. Viele der deutlich jüngeren Trans* Menschen mit denen ich zu tun habe, nennen mich inzwischen sogar Mama. Und ja, ich fühle mich auch ein wenig wie eine Mama, wenn ich ihnen helfe und dann das Leuchten in den Augen sehe oder wenn sie vor Dank übersprudeln.

Resümee – Timeline

  • 14.07.1972 – Geburt in Berlin als Alexander Michael von Borcke
  • ??.??.1975   – Adoption der Familie Löhner, Name fortan Alexander Michael Löhner
  • ??.??.1980   – Erste Anzeichen für Transsexualität
  • ??.??.1991   – Erste Hochzeit, Name fortan Alexander Michael Mieland
  • ??.11.1994  – Erste Scheidung
  • ??.??.1995   – Zwei Albträume
  • ??.09.1996  – Abschluss der zweiten Lehre als Einzelhandelskaufmann
  • ??.02.2007  – Kennenlernen des Begriffs “Transsexualität”, endlich weiß ich, was mit mir los ist
  • 21.09.2012 – Zweite Hochzeit, Name fortan wieder Alexander Michael Löhner
  • 25.01.2013 – Geburt von Luca, Alex’ Sohn
  • 16.10.2015 – Das große Coming Out
  • 14.01.2016 – Die erste Therapiesitzung
  • 23.06.2016 – Beginn der Hormon-Ersatz-Therapie
  • 20.09.2016  – Gründung der Trans* SHG Hegau
  • 11.11.2016 – Rechtsgültiger Beschluss der VÄ/PÄ, Name fortan Christin Sophie Löhner
  • 15.07.2017 – CSD in Konstanz – Diskussion mit den Politikern auf der Bühne vor 7000 Zuschauern über die Reformation des TSG
  • 11.08.2017 – Beginn der Tätigkeit als offizielle Beraterin der dgti e.V. – Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.
  • 20.11.2017 – Der erste, große Vortrag zum TDoR an der Uni Konstanz (ca. 20 Besucher)
  • 22.01.2018 – Die erste, geschlechtsangleichende Operation in München-Bogenhausen (Dr. Markovsky)
  • 25.02.2018 – Wahl zur Ersten Vorsitzenden des Christopher Street Day in Konstanz e.V.
  • 07.03.2018 – Der erste Zeitungsartikel über mich im Schwarzwälder Bote
  • 15.03.2018 – Der erste Fernsehbericht über mich im Regio TV
  • 12.05.2018 – Vierstündiger Vortrag über GaOP und FFS von Dr. Taskov in der Trans* SHG Hegau
  • 13.05.2018 – Zeitungsartikel im Südkurier über den Vortrag von Dr. Taskov
  • 05.06.2018 – Zweite Scheidung
  • 25.06.2018 – Ganzseitiger Zeitungsartikel über mich im Südkurier
  • 20.07.2018 – Zweiteilige Fernsehdokumentation über mich und mein Leben
  • 28.08.2018 – Die zweite, geschlechtsangleichende Operation in München-Bogenhausen (Dr. Markovsky)
  • 01.10.2018 – Zeitungsartikel und viele weitere Artikel und Fernsehberichte über unsere Hochzeit am 12.10.2018
  • 05.11.2018 – Unser Interview bei Radio 7 für die Sendung “Radio 7 Originale” (Bei Interesse zum Anhöhren, nachfragen!)
  • 12.10.2018 – Dritte Hochzeit, Name weiterhin Christin Sophie Löhner
  • 17.10.2018 – Fernsehbericht über die Hochzeit in der SWR Landesschau
  • 20.11.2018 – Der zweite, große Vortrag zum TDoR an der Uni Konstanz (ca. 60 Besucher)
  • 22.11.2018 – Das Interview im ORF bezüglich der Kunstausstellung in Bregenz
  • ??.01.2019  – Logopädie
  • 08.02.2019 – Die Brustaufbau-OP in München Erding (Dr. Taskov)

Viele, viele kleinere Dinge habe ich hier aussen vor gelassen, sonst wäre es zu viel geworden. Da fehlen noch viele weitere Vorträge an Schulen und Unis über Transphobie, Mobbing, Akzeptanz und Toleranz, oder auch andere Aktionen, die Michelle und ich unternommen haben um für die Rechte von Trans* Personen einzustehen. Und es fehlen die vielen, vielen Termine und Treffen die wir, Michelle und ich, spätestens seit unserer Hochzeit und den damit verbundenen Zeitungsberichten, Fernsehberichten, Radiointerviews haben. Natürlich habe ich auch die vielen, vielen Erlebnisse weg gelassen, die nichts mit meiner Transsexualität oder Transition zu tun haben.

Aber du siehst, ich habe viel, sehr viel erlebt und bin inzwischen so gut wie am Ende meines Weges und meiner Transition angekommen. Im Februar 2019 kommt noch mein Brustaufbau, den ich sehnlichst erwarte, aber dann bin ich mit meiner Transition komplett durch und kann mich auf mich selbst und mein leben konzentrieren.

Aber… will ich das denn auch?

Natürlich möchte ich mich mehr auf mich selbst konzentrieren, mein Leben leben und geniessen. Aber andererseits möchte und werde ich genau so auch weiterhin helfen und unterstützen und selbstverständlich auch weiterhin meine Selbsthilfegruppe leiten! Ja, vielleicht werde ich in manchen Bereichen kürzer treten, aber in den Bereichen wo ich am meisten Leute erreiche und am meisten erreichen kann, werde ich meine Tätigkeiten vermutlich sogar noch intensivieren.

So werde ich natürlich auch in Zukunft in den Medien vertreten sein, Vorträge halten und für meine “Kinder” da sein und sie bei allem unterstützen, wo sie eben Unterstützung brauchen. Aber es gibt den einen oder anderen Bereich, der sowohl mir, als auch meinen Mitmenschen nicht so viel bringt. Was das ist, werde ich in naher Zukunft dann noch kommunizieren.

Und… ich werde natürlich auch weiterhin meinen Weg in den Sozialen Medien kommentieren und dokumentieren, Du kannst Dich also auch in Zukunft über Selfies von mir freuen.

Ich hoffe sehr, das ich mit meinen Tätigkeiten und meinen Aktionen, meiner Hilfe, meinen Vorträgen und auch mit meiner Präsenz in den Medien den Leuten helfen kann und die Akzeptanz für uns Trans* Menschen in der Öffentlichkeit und der Gesellschaft steigern kann. Wir müssen einfach endlich in den Köpfen ankommen und zur Normalität werden.

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*Kisses*
Christin

 

 

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Ein Kommentar

  1. Hallo Christin,
    wenn ich mal meinen Senf dazu geben darf. Für mich wäre es schön, wenn Du uns erhalten bliebest, egal in welcher Form, am liebsten als Bloggerin mit Bezug zum Thema “Trans”. Wenn ich auch gut nachvollziehen kann, im Stealthmodus leben zu wollen. Aber es ist schon immens wichtig für die vielen Gleichgesinnten, einen Anker zu haben wie Deinen Blog..

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